Tschetschenienprojekt 2013

Pressebericht des Tschetschenienprojektes 2013 der Aktion Augenlicht in Kooperation mit Interplast vom 13.-20. Februar 2013

Wie alles begann!

Da konnte man doch in den letzten Tagen des öfteren Kreuznacher Bürger im deutschlandweiten Fernsehen bewundern, ein Team unter der Leitung von André Borsche (Interplast) und Alexander Jacob (Aktion Augenlicht) war dort auf einem humanitären Einsatz im fernen sie Tschetschenien zu sehen.

Doch wie hatte es gerade dorthin verschlagen?

2005 las Alex Jacob sen. in einer bekannten, deutschen Boulevardzeitung über ein 7-jähriges, schwerverletztes Mädchen aus Tschetschenien. Ohne zu zögern lud er das kleine Mädchen direkt nach Bad Kreuznach ein. Bei den davon notwendigen, zunächst sehr mühseligen Behördengängen erfuhr er, es seien ja noch viel mehr hilfsbedürftige Kinder in Tschetschenien! Da half nur eins persönlich hinzufahren um sich ein Bild vor Ort zu machen. Dies tat er auch gleich, was er dort vorfand war schockierend!

Und so machten sich in 2006 Alex Jacob sen. (Aktion Augenlicht) mit André Borsche (Interplast) und Team auf eine ungewisse Reise in ein vom Krieg völlig zerstörtes Land. Überall drohten Landminen und Gewalt. Kein anderes Team hatte bislang solch eine Reise gewagt.

In einem zerfallenen Hotel, das zu einem Kinderkrankenhaus umfunktioniert wurde, taten sie 14 Tage lang hinter Brettern vernagelten Fenstern ihre Arbeit.

Auch 2007 hielten die Kreuznacher den Tschetschenen in Elend und Not auf diese Weise die Treue. Mittlerweile hatten sich die Kreuznacher das Vertrauen und die Unterstützung der Russischen Föderation erarbeitet. Alles war auf einmal möglich, vor allem funktionierte alles schneller.

So kam es, dass 2010 eine Delegation der tschetschenischen Regierung Alex Jacob Senior am Krankenbett besuchten und viele tschetschenische Bürger in ihren Moscheen für seine Genesung beteten.

Nach Alex Jacob Seniors dem Tod standen große organisatorische Herausforderung für seine treuen Weggefährten und Nachfolger an, an einen Auslandseinsatz trotz mehrfacher Anfragen aus Tschetschenien war nicht zu denken. Erst langsam aber seit Ende 2011 sehr erfolgreich, konnte die Aktion Augenlicht ihre Arbeit wieder aufnehmen und vielen Kindern helfen. So gelang es z.B. im November 2012 durch die Initiative des Kreuznacher Chirurgen Dr. Schehadad, den kleinen Mouamen Boukay durch ein Scharfschützen schwerst verwundeten 6-jährigen syrischen Jungen nach Bad Kreuznach zur medizinischen Behandlung zu bringen, trotz größter bürokratischer und diplomatischer Widerstände.
Während einer Absprache zwischen Dr. Borsche und Alexander Jacob betreffend den kleinen Mouamen Boukay klingelte Alexanders Telefon und die tschetschenischen Freunde baten in Person von Tamara Naumann ein weiteres Mal um Hilfe. Beide waren sich einig und sagten spontan ihren Besuch für Anfang 2013 zu. Glücklicherweise konnte man in dieser arbeitsintensiven Zeit wieder auf die Unterstützung von Tamara Naumann die bei den Einsätzen 2006 und 2007 dabei war, setzten. Und trotzdem war es wieder eine Fahrt ins Ungewisse. Denn weder der Name des Krankenhauses noch die Art der zu behandelnden Patienten war in Erfahrung zu bringen. Daher wurde nur ein relativ, kleines Team zusammengestellt.

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Das wichtigste bei solchen Einsätzen ist neben einer perfekten Organisation die Dolmetscherin. Als Tamara ihre Teilnahme aus persönlichen Gründen kurzfristig absagen musste wurde der erfolgreiche Verlauf des Projektes ziemlich schwierig. Welch ein Glück, dass sich Irina Vitovic aus Mandel nach kurzer Bedenkzeit der guten Sache zur Verfügung stellte.
In seiner Funktion als erfahrener OP-Pfleger in besonders heiklen Ländern (Iran, Ruanda) sollte Udo Brosche aus Rüdesheim bei diesem Einsatz viel leisten.
Die unzähligen hilfesuchenden Kinder und Jugendlichen die vom Hörensagen oder den rund um die Uhr ausgestrahlten Fernsehaufnahmen des Hilfseinsatzes der Naheländer erfahren hatten, stürmten das Krankenhaus über die seltsamsten Wege. Alles wurde versucht um bis zu dem „Kreuznacher Hilfsorganisation“ vorzudringen. Jeder der Hilfe sichte, wurde untersucht und beraten, hierfür verantwortlich war Dr. Eva Borsche die in ihrer Eigenschaft als Allgemeinmedizinerin für diese Funktion bestens geeignet ist, vor allem aber durch ihre immerzu freundliche, besonnene Art die ihr selbst nach 12 Stunden Einsatzdauer nicht abhanden kam.
Ihnen allen gebührt ein besonderer Dank!
Auf Grund des unglaublichen Andrangs selbst aus den Nachbarrepubliken wurde jede helfende Hand benötigt, so wurden sämtliche für einen Hilfseinsatz in einer Krisenregion zwingend notwendigen, offiziellen Einladungen, Pressekonferenzen und Termine kurzer Hand abgesagt, hier und heute galt es den Menschen zu helfen. Die Dolmetscherin Irina, die noch nie in ihrem Leben im vollen Bewusstsein ein OP-Saal betreten hatte, konnte sich dadurch im OP als Dolmetscherin einbringen, hierdurch wurde es erst möglich die tschetschenischen OP-Teams die auch schon im Rahmen eines mehr monatigen Praktikums sich wichtiges Wissen und Fähigkeiten angeeigneten hatten in den OP-Betrieb zu integrieren. Jedes Kind wurde im Rahmen der Voruntersuchung von Frau Dr. Borsche für diesen Einsatz erstellten Diagnoseprogramm mit Bild und Informationen erfasst. Immer wieder mussten im großen Trubel bereits untersuchte, hilfsbedürftige Kinder gesucht werden um dem OP- Team vorgestellt zu werden. Diese Aufgaben übernahm Alexander Jacob.
Insgesamt wurden mit diesem System in kürzester Zeit 293 Kinder untersucht und beraten und 69 Kinder wurden operiert.
Dies ist ein noch nie da gewesenes Ergebnis, der viele Väter hat. Allen voran Alex Jacob Senior der zu Zeiten als niemand an diese notleidende Volk dachte, der Wegbereiter war und auf Grund der tiefen Dankbarkeit des tschetschenischen Volkes bis heute noch ist.
Die Aktion Augenlicht mit Alexander Jacob Junior der für die Koordination und Organisation mehrere Monate im Einsatz war. Unsere vielen alten und neuen tschetschenischen Freunde die alles ihnen in der Macht stehende ermöglichten um dieses Projekt zu einem großen Erfolg werden zu lassen.
Ja, und das fleißige Interplast-Team unter der Leitung von Dr. Borsche der vor allem mit seinem fröhlichen Gemüt und seiner Fachkompetenz so viele kleine Wunder vollbrachte. Alle Beteiligten sind sich einig dieses Projekt muss fortgeführt werden.
Waren es in den letzten Einsätze vor allem Minenexplosionen oder Querschläger abgefeuerter Schüsse, ….sind es heute zunehmend Gasunfälle der überirdisch verlegten Gasrohre, die reines Gas führen, das nicht wie in Deutschland mit speziellen Geruchsstoffen aus Sicherheitsgründen versetzt ist, sondern durch seine Geruchslosigkeit gefährlich wird, da man es beim Austreten aus den durch die vielen Strapazen des Krieges versehrten Rohre nicht wahrnimmt. So waren fast die Hälfte der untersuchten Kinder Opfer von Gasunfällen. Aber auch Gaumenspalten und schlimme Verbrennungen, u.v.m. standen auf der Tagesordnung. In Zukunft wird der Schwerpunkt auf der Weiterbildung von Ärzten und Pflegepersonal und der Weiterentwicklung medizinischer Infrastruktur gelegt. Das Geheimnis der erfolgreichen Zusammenarbeit liegt in dem kameradschaftlichen Umgang auf Augenhöhe.
Das Interesse der Medien war sehr groß, gab sich die Vertreter des russischen, tschetschenischen und deutschen Fernsehens täglich die Türklinke in die Hand. Ein Kamerateam des ZDF begleitete mehrere Male das Team bei ihren Einsätzen, man lernte sich kennen, freundete sich an, dies sollte sich als ein besonderer Glücksfall für die Gruppe erweisen. Sämtliche Transfers Umbuchungen und Übersetzungen, die auf Grund der vielen Hilferufe notwendig wurden, waren innerhalb kürzester Zeit professionell organisiert. Auch im zwischenmenschlichen Bereich leisteten Sie mit Insider-Informationen eine große, kulturelle Hilfestellung die so wichtig war um mit den Menschen vor Ort erfolgreich zusammen arbeiten zu können und Sie zu verstehen. Vielen Dank!
Fast jeder Einwohner Tschetscheniens, hat irgendwann einmal schon von den hilfsbereiten Deutschen, Kreuznachern gehört. Viele Menschen beteten während des Aufenthaltes für das Gelingen des schwierigen Vorhabens.
Getreu dem Motto im Netzwerk arbeiten, bedeutet erfolgreich Arbeiten ist es der Aktion Augenlicht gelungen, diesen Einsatz im noch immer schwer zu erreichenden Tschetschenien zu organisieren.
Spenden bilden die Grundlage unserer Arbeit. Sie ermöglichen es uns, die schwerstverletzten, aus Zeitgründen nicht zu behandelnden Kindern vor Ort, nach Bad Kreuznach zu holen und zu helfen. Nur wenn wir von engagierten Menschen unterstützt werden, können wir helfen.