Tasnad/Rumänien

Projektbericht von Alexander Jacob:

Monatelange Vorbereitungen sind vorbei – endlich geht es los – langsam liegen die Nerven blank.

Aber zum Anfang:
Es ist Juni 2013 und eine junge, rumänische Frau kommt auf mich im Hofgut Rheingrafenstein zu und fragt mich, ob sich Augenlicht noch in Rumänien engagiert. Selbstverständlich antworte ich ihr. Woraufhin sie mir von einem kleinen Krankenhaus mit Kinderklinik in Tasnad berichtet, welches aus Kostengründen nicht mehr modernisiert werden kann und deshalb geschlossen werden soll. Die kleinen Patienten, vor allem Neugeborene, müssten schon bald den beschwerlichen Weg in das über 50 km durch eine holprige Landstraße verbundene Kreiskrankenhaus von Satu Mare fahren.

Da ich die Gegebenheiten in Rumänien nur zu gut kenne, habe ich keinen Zweifel an dem Wahrheitsgehalt der Worte. Letztendlich verspreche ich ihr, dass ich mich umhören und schauen werde, was die Aktion Augenlicht hier erreichen kann. Einiges wie sich noch herausstellen wird!

Zunächst werden alte Bekannte und Freunde im Gesundheitsministerium in Bukarest angerufen und die Schilderungen von Frau Althön werden im Detail bestätigt. Das Krankenhaus und die ehemalige Kinderklinik werden in der Zwischenzeit von rumänischen Freunden besichtigt und es werden uns Bilder sowie Videos geschickt, aus denen hervorgeht: die Kinderabteilung ist – toll – aber ohne irgendwelchen Inhalt. Auf die Frage unseres Freundes Dr. Horea Timis aus Alba Iulia, warum – naja wir gehören jetzt zum Kreiskrankenhaus in Satu Mare – und sind fast von der Außenwelt abgeschnitten.

Eine mutige Idee wird geboren – wir richten die so dringend benötigte Kinderabteilung ein!

Im August werden dann Tatsachen geschaffen – Kontakte geknüpft, alte Freundschaften aufgefrischt – Mails werden durchs ganze Land gesendet. Das Augenlicht Netzwerk läuft auf Hochtouren. Zu Hause folgen lange Gespräche – Ideen werden geboren, wieder verworfen – wie können wir vor Ort alles so umsetzen wie wir es uns wünschen und sicher stellen, dass die Hilfe auch bei den Hilfsbedürftigen v.a. Kindern ankommt- was machen wir? Über Herbert Wirzius lernen wir Werner Kessler kennen – der verspricht uns Hilfe; hat er doch bereits mehrere Hilfstransporte für die Caritas organisiert und schult seit vielen Jahren medizinisches Personal in Rumänien: ein absoluter Glücksfall! Ihm sind die Zustände in Tasnad bestens bekannt und er sagt spontan seine volle Unterstützung für dieses Projekt zu – ein kleines Wunder! Weitere Projekte werden auf einmal möglich, es kommt ein ganz neuer Schwung in das bislang auf das Wesentliche reduzierte Hilfsprojekt: Ein multifunktionaler Therapieraum, eine Küche aus Edelstahl, ein Büro, ein Aufenthaltsraum usw., ja, im Netzwerk arbeiten, bedeutet erfolgreich arbeiten.

Es ist Ende Februar – die Treffen häufen sich, Mails und Telefonat mit Tasnad sind an der Tagesordnung. Wir brauchen Fenstergrößen usw. Irgendwie klappt es – wenn es auch manchmal schwer ist. Unser Team ist komplett und kann mit 18 Helfern inklusive der LKW Besatzung Richtung Tasnad fahren.

30.3.: Der Transport startet in Montabaur.

31.3.: Der Transport kommt in Tasnad an und wird entladen und auf Krankenhaus und Kinderklinik verteilt.

01.04.-07.04.: Die Chefärztin Dr. Tunde übergibt die Schlüssel der Kinderklinik in die Hände des Helferteams:

– Die Küche wird bereits aufgebaut.
– Die Vorbereitungen für einen Carport für Einsatzfahrzeuge beginnen.
– Eine Fortbildung („Megacodetrainnig für Kinder und Erwachsene) findet statt.
– Die neuen EKG Geräte werden den Mitarbeitern des Krankenhauses erklärt.

08.04.: Schlüsselübergabe

tasnadumzug

Babybetten, Kinderbetten und Jugendbetten werden in die dafür vorgesehenen Zimmer gebracht, die neuen Matratzen eingelegt und bezogen – alles sieht herrlich aus – das Team vom Therapieraum mit der Schaukel und der Snuselecke macht die letzten Sternzeichen fertig, die Spülmaschine läuft.
Alle Zimmer erstrahlen im neuen Glanz – besonders natürlich die 2 Therapiezimmer der Traum wurde wahr durch die tolle Zusammenarbeit der Caritas Monatabaur und der Aktion Augenlicht.

Es ist soweit – die Tür geht auf und es werden die Schlüssel an die Krankenhausdirektion übergeben.

Begonnen wird im im Büro, Schwesternzimmer, Intensivzimmer, Babyzimmer, Kinderzimmer – dann die Küche – die Tränen laufen bei allen – auch das Team versteckt die feuchten Augen.

Dann der erste Therapieraum – Bällebad (jeder wird mal reingeschubst), Sprossenwand, Turnmatten, Therapiebälle und ein Haus zum bauen. Man sieht nur weite Augen und ein breites Grinsen in den Gesichtern.

baellebadtasnad

Der Höhepunkt: Therapieraum 2
Die rumänischen Mitarbeiter betreten den dunklen Raum, die Lichtschalter werden betätigt – erst erstrahlt der Sternhimmel mit seinen Sternzeichen, dann Lichterband, Lavalampe, Sprudellampe (oder Römmschwemmtierguckkasten) – man sieht die vollständige Snuselecke und die Therapieschaukel.

Ein Traum für Tasnad, die Kinder, die Ärzte und die Schwestern ist in Erfüllung gegangen – grenzenloser Jubel und den Tränen wird freier Lauf gelassen. Gerne möchten wir weiter der Bevölkerung von Tasnad helfen, vor allem den Kindern. Es kann nicht sein, dass in Europa noch Kinder in Erdlöchern leben oder ein Kind in eine Grube fällt und es keiner bemerkt oder vermisst. Es gibt Ideen, Visionen für ein neues Projekt – diese lassen sich nur wieder im Netzwerk realisieren. In Zusammenarbeit mit Kinderklinik, Krankenhaus und Caritas könnten Räumlichkeiten entstehen, in die die Ärmsten der Armen nach der Schule zum Duschen und Essen, zum Hausaufgaben machen und Spielen gehen und Hilfe zur Berufsfindung gegeben wird. Ferner würde ein Spielplatz mit Blockhaus den Kindern der Kinderklinik den Aufenthalt auch außerhalb des Gebäudes ermöglichen.

Auf ein Neues – nach der Aktion ist vor der Aktion

Euer

Alexander